avant garde
1
Potsdamer Straße
[ Tiergarten ]
Berlin - Februar 2012
business life
2
Moritzplatz
[ Kreuzberg ]
Berlin - März 2012
tradition
3
Auf der Uhlenhorst
[ Uhlenhorst ]
Hamburg - März 2012
zeitgeist
4
Langstrasse
[ Hard ]
Zürich - April 2012
Tradition
5
Clarastrasse
[ Kleinbasel ]
Basel - Mai 2012
avant garde
6
Holz- und Fabrikhafen
[ Walle ]
Bremen - August 2012
business life
7
Financial District
 
Shanghai - November 2012
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                                                                    INTERVIEW mit Prof. Rainer Schmidt

                                                                    Text: Miriam Rauh Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    Das Dorf in der Stadt

                                                                    Im Chinesischen bedeutet das Wort ‚Shanghai’ ‚hinaus auf’s Meer’. Die wichtigste Industriestadt der Volksrepublik China trägt einen poetischen Namen, der sehr charmant verpackt, dass Shanghais Containerhafen im internationalen Vergleich der größte ist. Doch in der Stadt finden sich noch mehr Superlative. In Shanghai steht mit dem 492 Meter hohen Shanghai World Financial Center das höchste Gebäude Chinas und sie ist die weltweit einzige Metropole, in der eine Magnetschwebebahn, der Transrapid Shanghai, Bestandteil des öffentlichen Personentransportes ist.

                                                                    Der Huangpu, ein zwischen 300 und 700 Meter breiter ‚Fluss mit gelbem Ufer’, teilt die Stadt in zwei Hälften, Puxi und Pudong, den neuen Wirtschafts- und High-Tech-Bezirk Shanghais. Obwohl Pudong ein vergleichsweise junger Bezirk ist, erst im Jahr 1990 wurde mit dem Ausbau des bis dahin dünn besiedelten Areals begonnen, ist das Wirtschaftswachstum enorm und liegt durchschnittlich bei etwa 20 Prozent Zunahme des Bruttosozialproduktes. Über 40 Milliarden Dollar wurden von ausländischen Unternehmen in Pudong investiert, der Bezirk profiliert sich als bedeutender Standort für

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    die Entwicklung von Bio-, IT- und Mikroelektroniktechnologien. Darüber hinaus befinden sich in der Finanz- und Handelszone zahlreiche international bedeutende Institutionen sowie auch eine beeindruckende Wolkenkratzerskyline, die weltweit ihres Gleichen sucht.

                                                                    Das schnelle Wachstum fordert seinen Tribut. Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt sind die Straßen Shanghais ständig verstopft und die Stadt kämpft mit Smog. Seit Jahren verzeichnet China die weltweit höchste Kfz-Neuzulassungsrate und der Peek scheint noch lange nicht erreicht. Diese Voraussetzungen, räumliche und finanzielle Möglichkeiten einerseits, einschränkende Faktoren der Umgebung andererseits, stellen

                                                                    eine große Herausforderung für Städteplaner und Architekten dar, die sich aus aller Welt in Shanghai zusammenfinden, um der Stadt ihr zukünftiges Gesicht zu geben.

                                                                    So setzen derzeit auch der Landschaftsarchitekt Professor Rainer Schmidt und sein Büro gemeinsam mit dem in Chicago ansässigen Architekten Helmut Jahn mit dem Shanghai International Finance Center SIFIC ein Projekt von gigantischem Ausmaß um und geben ihm, allen technischen Spielereien und jeglicher Gigantomanie zum Trotz, ein menschenfreundliches Gesicht.

                                                                    Über urbane Freiflächen und die Gestaltung von Lebens- und Arbeitsräumen, besondere

                                                                    Bild: © RSLA - Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten | Murphy/Jahn Architects

                                                                    Herausforderungen im Boomland China, menschliche Bedürfnisse und die Wirkung von Materialien, Pflanzen und Akustik spricht er im nachfolgenden Interview.

                                                                    Herr Professor Rainer Schmidt, Sie sagten, es ist nicht einfach, den Fluss zu überqueren, der den Financial District von der übrigen Stadt trennt. Woran liegt das?
                                                                    Die Französische Sezession ist auf der einen Seite und das Finanzzentrum auf der anderen. Es gibt einige Brücken dort, aber die Brücken sind immer verstopft und gerade zur Rush-Hour ist es schwierig, schnell von der einen auf die andere Seite zu kommen. Man muss in Shanghai immer relativ viel Zeit einplanen, auch um kürzere Distanzen zu überwinden.

                                                                    Ist dies ein Aspekt den sie bei ihren Planungen berücksichtigen? Versuchen Sie, den Menschen vor Ort etwas zu bieten, so dass sie nicht weit fahren müssen, um z.B. das Erlebnis von Natur und Entspannung zu haben?
                                                                    Die Außenanlagen und Gärten des internationalen Finanzcenters von Shanghai sind für die Mitarbeiter, sie sollen sich dort in den Pausen oder auch am Abend aufhalten und entspannen können.

                                                                    Wie weit ist das Projekt?
                                                                    Die Baugrube ist ausgehoben, die Fundamente sind gemacht. In zwei Jahren ist die Börse fertig gestellt und es dauert bestimmt noch drei Jahre, bis die Außenanlagen fertig sind.

                                                                    Welches Detail aus der Planung gefällt

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    gefällt ihnen besonders gut, was ist das Herzstück?
                                                                    Es gibt viele interaktive Elemente dort. Wenn man an den Wasserflächen in die Hände klatscht, reagieren die Fontänen darauf, nur als ein Beispiel. Und es gibt einen Bereich, in dem die Pflanzen Geschichten erzählen, das ist unser Akustikgarten. Es gibt sehr viele Wahrnehmungsaspekte; auch das Farbenspiel der verschiedenen Pflanzen ist vielfältig und kann sicher Begeisterung auslösen. Wir haben sogar in die Lüftungsschächte der Tiefgarage Nebelanlagen eingebaut, so dass es einen Nebelgarten gibt. Es sind verschiedene sinnliche und atmosphärische Attraktionen in den Gärten enthalten, die jede für sich eine Besonderheit darstellen.

                                                                    Welche Rolle spielt Akustik in der Landschaftsplanung?
                                                                    Es ist ein ganz neuer Trend, Soundscapes, fremde Geräusche, in die Landschaftsplanung mit einzubinden. Das fängt damit an, dass bestimmte Geräusche von einer Ecke des Gartens ausgehen und dadurch besondere Atmosphären erzeugt werden, bis hin zu Sitzbänken, die Geschichten erzählen. Man sitzt auf der Bank und kann sich eine Geschichte anhören. Das ist ein Spektrum, das gerade neu erschlossen wird.

                                                                    Sind das Trends, die aus Asien kommen oder bringen Sie die Trends aus dem Westen mit?
                                                                    Ich glaube, das sind Trends, die gerade im Westen entwickelt werden, wo die Landschaftsarchitektur vermehrt zu einer Eventlandschaft wird. Man

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    möchte im Garten Grün, Pflanzen und Natur als einen Aspekt und daneben auch den Aspekt Erlebnis haben. Erlebnis in jeder Form auf Plätzen und in Parkanlagen, das ist gerade eine ganz neue Entwicklung. Zum einen gibt es Naturparkanlagen, und zum anderen eben die Eventparkanlagen, in denen ganz andere Erlebnisse möglich sind, wie zum Beispiel Flächen für Trendsportarten, die einer Anlage regelrechten Volksparkcharakter geben. Früher ist man spazieren gegangen, ist flaniert. Heute geht man zum Fußball, zum Frisbee, zum Skaten in den Park. Aus neuen Entwicklungen ergibt sich immer wieder auch die Frage, wie ein Park genutzt wird, neu.

                                                                    Gibt es weitere Projekte auch außerhalb Shanghais, wo sie Erlebnisse und

                                                                    Soundscapes integrieren?
                                                                    Ja, z.B. im Rahmen einer Bauausstellung für Hochhäuser in Seoul im Yongsan Distrikt, an der die meisten großen Architekten der Welt beteiligt sind, wie Coop Himmelb(l)au, Richard Rogers, Renzo Piano oder Bjarke Ingels. Auch wir haben das Glück, bei einem Team dabei zu sein, und planen dort eine ganz besondere Freianlage, nämlich eine LED-Plaza, einen Platz der nur aus LEDs besteht, 100 mal 100 Meter groß. Und diese LED Plaza kann vom Hochhaus aus bespielt werden. Man kann sich von überall einloggen, Sudoku, Schach oder Tetris spielen, vom Hochhaus aus oder von jeder x-beliebigen anderen Position. Wenn ein Spiel dann nach den jeweiligen Kriterien erfolgreich war, gibt es am Abend eine Lichtshow

                                                                    Bild: © RSLA - Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten | Murphy/Jahn Architects

                                                                    mit Nebeleffekten und so auch einen ganz neuen Event.

                                                                    Ist diese Art von Projekten vorzüglich in Asien realisierbar?
                                                                    In Europa gibt es natürlich ähnliche Projekte. Wir haben zum Beispiel den Münchner Flughafen geplant. Der Münchner Flughafen ist ja bekannt für seine Außenanlagen, die dem Flughafen eine ganz eigene Identität geben. Er erzählt auch eine Geschichte über Bayern. Man kommt in München an, in Bayern, und das sieht man auch - Persiflagen aus verschiedenen Landschaften werden in den Außenanlagen abgebildet. Durch die ganz besondere Sprache der Raumbildung hat sich hier eine ganz besondere Landschaftsarchitektur gebildet.

                                                                    Woraus entstehen diese Trends - warum entwickelt man Soundscapes, Erlebnisparks und ähnliches, was liegt dem zugrunde?
                                                                    Im Mittelpunkt steht immer der Nutzer, und der Nutzer verändert sich. Daraus ergibt sich eine neue Gesellschaft, die mehr auf Kommunikation aus ist. Und deswegen gibt es auch ganz neue Ansprüche an Parks. In unserer hektischen Zeit der Reizüberflutung ist die Natur immer der ausgleichende Faktor, wie schon seit Jahrtausenden von Jahren. Der Baum wächst und wächst, es gibt die Jahreszeiten - die Natur ist die Konstante, es gibt immer Frühling, Sommer, Herbst und Winter, es gibt den Duft von Wiese und von Heu. Zum einen wird die Natur als Ausgleich gesucht, zum anderen ist unsere

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    Gesellschaft immer stärker technisch geprägt, auch aufgrund der Medien, Fernsehen, Video, laufenden Bilder. Der Nutzer ist immer mehr auf Erlebniswelten und Event aus. Das sind die beiden großen Richtungen, die man aktuell in der Freianlagengestaltung findet. Zum einen gibt es das Verlangen nach Natur als Ausgleich, zum anderen gibt es das Verlangen etwas zu erleben, nach Events und drittens das Bedürfnis, Aktivitäten zu schaffen für den Freiraum. Ein gutes Beispiel dafür ist das ehemalige Flugfeld in Berlin Tempelhof. Das ist ein großer Park, der eigentlich nichts weiter ist, als eine große befestigte Landebahn, auf der einfach Aktivitäten stattfinden und sich jede Art von Freizeitsport entfalten kann wie Skyten, Skaten oder

                                                                    Radfahren.

                                                                    Was ist derzeit der wichtigste Trend bei der Planung urbaner Freiflächen?
                                                                    Die Aktivierung dieser Flächen. Orte der Verwahrlosung, an denen sich eher soziale Randgruppen treffen, bekommen eine neue Bedeutung. Das sind Plätze in Wohngebieten und Parkanlagen, die etwas Besonders darstellen und einem ein Stück Zuhause geben sollen, ein Stück Heimat. Dadurch, dass wir unser Arbeitweisen ändern, früher hat man im Büro gearbeitet, heute arbeitet man vielfach von Zuhause aus, ändert sich der Bezug zum Wohnraum und die Bedeutung von Wohnraum und Zuhause ändert sich. Der Lebensraum um uns herum wird immer wichtiger, Plätze gewinnen dadurch an

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    Bedeutung. Neben den Leuten, die tagsüber Zeit haben, sitzt im Park plötzlich jemand mit Laptop und schreibt E-Mails oder ein Konzept, arbeitet. Der urbane Freiraum gewinnt so enorm an Bedeutung.

                                                                    Die Gestaltung von Freiflächen ist also auch ein Instrument, um soziale Brennpunkte zu entschärfen?
                                                                    Selbstverständlich, das hat schon vor 30/40 Jahren in New York mit den Community Gardens begonnen, die einfach auf Brachflächen angelegt wurden, und wo sich sozial Schwächere aufgehalten und dort gearbeitet und gepflanzt haben. Sie haben dadurch einen ganz anderen Bezug zum Leben bekommen und waren stolz auf ihre Gärten, haben sie anderen Gärtnern gezeigt. Diese Entwicklung ist vor

                                                                    einigen Jahren nach Europa herübergekommen; mittlerweile gibt es auch in Berlin einige Community Gardens. Ein Beispiel hierfür ist der Prinzessinengarten, der unter anderem mit Migranten arbeitet, die einen anderen Bezug zu sich und ihrer Umwelt durch das Gärtnern in der Stadt bekommen und natürlich auch ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Das führt zur sozialen Integration.

                                                                    Wirkt es auch, im näheren Umfeld etwas zu machen, einen Ort, der fußläufig zu erreichen ist?
                                                                    Dass fußläufig Freiflächen zur Verfügung stehen sollten, ist etwas, was die Stadtplanung schon lange gefordert hat. Nehmen Sie z.B. die Kleingärten, die in Berlin sehr stark vertreten sind - der Garten vor der

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    Haustür oder der Schrebergarten in fußläufiger Entfernung, zu dem ich von meinem Wohngebäude aus hingehen und dort meine Freizeit verbringen kann. So etwas ist sehr wichtig und das kommt auch wieder stark. Plötzlich gibt es wieder Flächen in den Höfen, auf denen urbaner Garten- oder Ackerbau betrieben werden kann. Das gibt dem urbanen Wohnen eine andere, höhere Lebensqualität. Und das bringt auch neue Anforderungen für die Stadtplanung. Zeitgemäße Stadtplanung ist nicht ‚der große Block’, und ‚der große, einheitlich gestaltete Hof’, sondern es sind eher kleine, private Parzellen, die von verschiedenen Parteien genutzt werden können. Daraus ergibt sich auch eine gewisse Privatisierung von Gemeinschaftsflächen, was ich positiv

                                                                    finde. Es gibt z.B. in Berlin sehr schöne Beispiele aus den zwanziger Jahren, wie die Hufeisensiedlung, oder Onkel Toms Hütte, oder auch die Gartenstädte aus der Bauhauszeit. Es gibt sehr schöne Beispiele aus dem vergangenen Jahrhundert, wo dieses System soziale Missstände und das Leben für die Bevölkerung verbessert hat.

                                                                    Zu was werden die neu aktivierten Räume?
                                                                    Die Räume werden wieder zum Lebensraum, die Stadt wird wieder zum Lebensraum. Früher haben wir die Schlaf- und die Arbeitsstadt klar voneinander getrennt, heute verschmelzen beide Funktionen räumlich mehr und mehr. Das städtische Umfeld gewinnt so an Bedeutung. Menschen ziehen dort hin,

                                                                    Bild: © RSLA - Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten | Murphy/Jahn Architects

                                                                    wo ein schöner Park ist, dort hin, wo ansprechende Cafés sind, wo man sich hinsetzen kann und ein urbanes Leben stattfindet. Diese Veränderung ist derzeit stark zu spüren. Der Bürgermeister von London hat kürzlich gesagt, "wir müssen das Dorf zurückbringen in die Stadt", denn das Dorf birgt Leben, miteinander leben, Gemeinschaft leben, das muss wieder deutlich hervorgebracht werden.

                                                                    Was bedeutet es für Stadtentwicklung, wenn Sie urbane Freiflächen ästhetisch bespielen und für die Bevölkerung attraktiv gestalten?
                                                                    In der Stadtentwicklung bekommen Wohngebiete eine ganz neue Bedeutung. Keiner möchte mehr in irgendwelchen anonymen Wohngebäuden oder Plattenbauten

                                                                    leben, die reine Funktionseinheiten sind. Nachbarschaft und das Gefühl, gemeinsam an einem Ort zu leben, geben der Stadtentwicklung eine ganz neue Bedeutung. Es müssen Wohnungen und Häuser geschaffen werden, die vielfältig sind und einen starken Bezug zum Freiraum haben, angefangen bei Balkons, Terrassen und Dachgärten bis hin zur Möglichkeit, sich im Umfeld im Freien aufhalten zu können. Zum Beispiel in einem Garten sitzen, spielen, arbeiten zu können, sich dort zu treffen und Gemeinschaften zu bilden. Die Aufenthaltsqualität ist entscheidend. Der Trend zu urbaner Landwirtschaft ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Selber einen Bezug zur Erde und zur Pflanze zu haben, selber zu gärtnern und seine eigene Ernte zu genießen -

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    das ist recht neu und spielt auch im Städtebau eine Rolle.

                                                                    Was war das für Sie bis jetzt herausforderndste Projekt, das sie im urbanen Raum umgesetzt haben?
                                                                    In München Schwabing haben wir die Parkstadt Schwabing entwickelt, 40 Hektar in einer zentralen Münchner Lage. Vorher war dort ein Industriegebiet mit Erdöltanks, einem riesigen Betonwerk und Autohäusern. Dieses Gebiet haben wir gemeinsam mit dem Architekten André Perret neu entwickelt, und dort sehr verdichteten Büro- und Wohnungsbau entwickelt. Das Entscheidende war, dass der zentrale Park zuallererst gebaut worden ist. Damit schafft man eine Adresse; der Park ist zur Adresse geworden, und so heißt das Gebiet

                                                                    auch "Parkstadt Schwabing". Es ist toll, dass das Grün zum Motor der städtebaulichen Entwicklung wird.

                                                                    Welche Bedeutung hat das Grün um eine Immobilie herum für ihren Wert?
                                                                    Es ist die fünfte Fassade. Ein freistehendes Haus hat vier Fassadenseiten, und der Freiraum dazu ist die fünfte. Die Fassade ist wie ein Gesicht mit einer bestimmten Ausstrahlung und der Freiraum gehört dazu; er steigert den Mehrwert eines Hauses oder einer Wohnung. Auch für Firmen gewinnt der Freiraum an Bedeutung. Bürogebäude und Firmensitze werden immer mehr zu Konferenz- und Besprechungsräumen; das Image einer Firma ist immer wichtiger und damit auch die Frage nach dem Freiraum. Ist er ökologisch,

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012

                                                                    ist er nachhaltig? Wo arbeite ich überhaupt und wie ist die Aufenthaltsqualität für die Mitarbeiter? Gewisse Anteile der Firmenphilosophie werden auch über den Freiraum transportiert.

                                                                    Wie viel Fläche benötigen Sie, um ein Projekt zu realisieren?
                                                                    Ach, wir machen große und kleine Projekte, das entscheidende ist einfach, dass wir keine Projekte umsetzen, die nur begrünen. Wir sind keine Gärtner,

                                                                    keine Dekorateure, wir entwickeln Freiräume mit einem starken Konzept. Das kann klein oder groß sein, das ist vollkommen egal. Wichtig ist, dass die Bereitschaft da ist, etwas Besonderes zu machen. Besonders im Sinne von spektakulär für den Nutzer, denn dass der Nutzer sich mit seinem Freiraum, seinem Umfeld identifizieren kann, sich wohl fühlt und spürt "hier wohne ich, das ist mein Zuhause", ist das Wichtigste.

                                                                    RSLA Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten | Klenzestrasse 57c | 80469 München | www.schmidt-landschaftsarchitekten.de
                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2012