avant garde
1
Potsdamer Straße
[ Tiergarten ]
Berlin - Februar 2012
business life
2
Moritzplatz
[ Kreuzberg ]
Berlin - März 2012
tradition
3
Auf der Uhlenhorst
[ Uhlenhorst ]
Hamburg - März 2012
zeitgeist
4
Langstrasse
[ Hard ]
Zürich - April 2012
Tradition
5
Clarastrasse
[ Kleinbasel ]
Basel - Mai 2012
avant garde
6
Holz- und Fabrikhafen
[ Walle ]
Bremen - August 2012
business life
7
Financial District
 
Shanghai - November 2012
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                                                                    INTERVIEW mit ROBERT SHAW, PRINZESSINNENGARTEN

                                                                    Text: Miriam Rauh Bild: Michael Hölzl © 2011

                                                                    Stadt im Wandel: Brennpunkt reloaded

                                                                    Text: Miriam Rauh

                                                                    In Berlin Kreuzberg pflanzt eine Handvoll Idealisten im Prinzessinnengarten seit Mai 2009 nach kubanischem Vorbild Radieschen, Kartoffeln und Salat - und das direkt am Moritzplatz, einem der größten Verkehrsknotenpunkte des Bezirks. Auf dem früheren Gelände eines Autohändlers ist auf der Brachfläche ein kleines Paradies für urbane Hobbygärtner entstanden. Green Lifestyler und nach Bodenhaftung suchende Digital Bohemians treffen sich hier in der Mittagspause mit Anwohnern zum gemeinsamen Arbeiten und Austausch

                                                                    und sehen den Pflanzen buchstäblich beim Wachsen zu.

                                                                    Das folgende Interview wurde bereits im Dezember 2009 aufgezeichnet. Vieles von dem, was sich damals in Bezug auf die Entwicklung der zentralen Lage im Gespräch mit Robert Shaw von Nomadisch Grün abzeichnete, ist inzwischen Realität. Rund um den Moritzplatz ist in kurzer Zeit viel passiert. Das Aufbauhaus, das damals noch in der Entstehung war, ist längst von Mietern bezogen und soll in Kürze noch erweitert werden. Der frühere Brennpunkt ist zu

                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©

                                                                    einem paradiesischen Ort inmitten der Stadt und einem beliebten Treffpunkt geworden. Begeben wir uns auf eine Zeitreise.

                                                                    # Wie seid ihr auf die Idee gekommen, in Kreuzberg einen Garten zu machen?
                                                                    Robert Shaw: Es sollte weniger ein Garten werden, sondern urbane Landwirtschaft, wir wollten keinen Blumengarten, in dem Sinne. Die Idee kommt aus Kuba, aus dem kubanischen Modell der „Agricultura Urbana.“ Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte Kuba ein Nahrungsmittelproblem und man hat dort staatlich unterstützt in den Städten angefangen, Landwirtschaft auf Brachflächen zu betreiben.

                                                                    Weil es auf Kuba zu der Zeit weder Pestizide noch Düngemittel gab, wurde notgedrungen auf biologische Methoden zurückgegriffen. Man hat Hochbeete benutzt, weil man wusste, dass der Boden in der Stadt nicht unbedingt günstig ist für Gemüseanbau. Seit mehr als zehn Jahren wird das relativ erfolgreich betrieben. Und entstanden ist dabei eine große Vielzahl kleiner und größerer Gärten, die auch sozial hervorragend funktionieren. Im Grunde genommen sind das nachbarschaftliche Gärten, die gemeinschaftlich betrieben werden, in denen den Kindern nach der Schule von Gärtnern oder älteren Leuten Wissen vermittelt wird und wo oft ein

                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©

                                                                    Opi oder eine Omi mit einer Thermoskanne Kaffee sitzt oder Nachbarn auf Bier- oder Holzkisten quatschen, wo man auch einfach reingehen und Gemüse kaufen kann.

                                                                    Ich fand das Thema Nahrungsmittelanbau in der Stadt wahnsinnig reizvoll. Man wohnt mitten in der Stadt, geht kurz in den Garten, setzt sich eine Stunde hin, kauft sich sein Essen.

                                                                    Zurück in Deutschland sind mir innerstädtische Brachflächen aufgefallen und ich bin auf die Idee gekommen, das hier auch zu machen. Anfangs war es eher als eine Art Freizeitprojekt geplant, da ich relativ frisch Vater geworden war und mich

                                                                    auf Spielplätzen gelangweilt habe – ich wollte einen Ort für mich und meinem Sohn und auch für andere Eltern und Kinder schaffen, an dem sich nicht ein Teil entweder im Café oder am Spielplatz langweilt.

                                                                    # Aber ihr seid mehr, als ein privater Spielplatz?
                                                                    Ja, schon nach den ersten Telefonaten wurde klar, dass die Idee einen Nerv trifft und auch größer funktionieren kann und nachdem auch Marco (Clausen A.d.Red.) dazugekommen ist, haben wir beschlossen, das Projekt gemeinsam größer zu denken und es als urbane Landwirtschaft mit sozialem Charakter zu bauen. Wir haben eine GmbH gegründet und den Garten „mobil“ gemacht.

                                                                    Bild: Michael Hölzl © 2011

                                                                    # Ein mobiler Garten? Was bedeutet das?
                                                                    Gerade zentrale Brachflächen sind rar und teuer und auch immer irgendwie Spekulationsobjekte, deren Besitzer Angst davor haben, dass sich irgendetwas verselbständigt und dann ein Bauprojekt, den Verkauf oder was auch immer verhindert. Also haben wir gesagt, wir sind mobil, und wir gehen auch nach dem Ende unserer Nutzung freiwillig bis sogar freudig wieder. Daraus hat sich ergeben, dass wir vollkommen bodenunabhängig funktionieren, dass wir unser Gemüse nur in dem mitgebrachten mobilen Boden, in transportablen Kisten anbauen. Wir sind tatsächlich sehr umzugsfähig. Darüber hinaus haben wir auch gemerkt dass wir fähig sind, ganz andere urbane Flächen zu

                                                                    bewirtschaften, z.B. versiegelte Flächen wie Parkplätze oder auch Hausdächer, Orte also, von denen es in der Stadt einfach vielmehr gibt. Unsere Pflanzkästen hätten sogar das Potenzial, vertikal zu funktionieren, an der Hauswand entlang.

                                                                    # Gibt es Möglichkeiten, Stadtplaner mit einzubinden und andere Leerflächen der öffentlichen Hand für solche Zwischennutzungen freizugeben, um solche Projekte zu multiplizieren?
                                                                    Ja, es gibt durchaus Möglichkeiten. Wir arbeiten an solchen Lösungen. Wenn man einen Garten machen möchte wie diesen hier, auf Grundstücken privater- oder öffentlicher Hand, muss man sich auf eine relativ lange Verhandlungszeit einrichten. Das liegt

                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©

                                                                    zum Teil daran, dass die allermeisten Flächen, die früher in Bezirksverwaltung waren, jetzt von Liegenschaften verwaltet werden. Wenn wir also mit dem Bezirksamt Friedrichshain/Kreuzberg verhandeln würden, so hat dies selbst nur einen sehr geringen Anteil an Flächen zur Verfügung und muss gegenüber dem Liegenschaftsfonds begründen, warum diese Fläche in ihrer Verwaltung bleiben sollen. Sie müssen eine dezidierte Nutzung dafür ausweisen, ansonsten geht die Fläche an den Liegenschaftsfonds und wird dem Zugriff des Bezirks entzogen. Dann gibt es andererseits natürlich die Flächen, die dem Bezirk nach wie vor unterstehen und in der Obhut des Grünflächenamtes liegen. Damit

                                                                    unterliegen sie aber auch sehr strengen Regeln der Nutzung.

                                                                    # Wie lange hat es letztendlich gedauert, von der ersten Verhandlung, bis ihr auf das Gelände konntet?
                                                                    Das ging relativ schnell. Wir unterhielten uns eine halbe Stunde mit der IVG, einem Immobilienspekulanten, und dann wurde uns die Nutzung zugesichert. Vorher haben wir mit jemand anderem verhandelt, der uns nach einem Zeitraum von einem halben Jahr mit durchwegs positiven Signalen ein plötzliches Nein erteilte. Das war im Dezember letzten Jahres, und dann haben wir uns auf eine ebenso lange Verhandlung für das nächste Grundstück eingestellt, aber hier

                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©

                                                                    kamen ein paar ganz gute Zufälle zusammen. Wir sind über den Bezirksbürgermeister von Schulz zum Ansprechpartner beim Liegenschaftsfond gekommen, der hat uns mit Modulor in Kontakt gebracht, die ja gegenüber die „Modulorwelt“ eröffnen. Modulor hatte bereits vorgearbeitet für das Grundstück und hatte auch ein eigenes Interesse daran, dass das Viertel um den Moritzplatz und das Grundstück hier belebt wird. Mit deren Vorarbeit und deren Unterstützung ging das dann hier relativ schnell. Das heißt: im Februar haben wir angefangen zu verhandeln, Mitte Juni hatten wir den Mietvertrag.

                                                                    # Womit habt ihr angefangen? Mitte Juni ist wahrscheinlich zum Aussähen gar nicht

                                                                    mehr so einfach - oder habt Ihr irgendwo an einer anderen Stelle Setzlinge vorgezogen?
                                                                    Nein, wir hatten nichts vorgezogen. Wir wussten ja nicht, ob wir die Fläche tatsächlich kriegen oder nicht. Unser erster Schritt war das seit 50 Jahren ungenutzte Grundstück von Müll, teilweise unerfreulichem Müll wie Fixernadeln und ähnlichem zu befreien. Geholfen haben viele Freiwillige, wir hatten ein paar Tage nach der Unterzeichnung einen kurzen Artikel in der Zitty stehen und eine Rundmail geschickt, in der wir zum gemeinsamen Mülleinsammeln aufgerufen haben. Über den Tag verteilt sind dann gut 150 Personen aus allen Schichten gekommen. Wir haben Eimer und Handschuhe verteilt und

                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©

                                                                    nach einem halben Tag war kein Müll mehr da.

                                                                    Dann waren erstmal ein paar infrastrukturelle Maßnahmen nötig, wodurch wir erst Mitte/Ende Juni zum Anlegen der ersten Beete gekommen sind. Und dann konnten wir aussähen. Zum Beispiel Spinat, Fenchel, Radieschen, Chillies, Pak Choi der relativ schnell wuchs, ein Mangoldverwandter aus Asien. Was aber viel wichtiger war, dass bis zu diesem Zeitpunkt - durch die Mitwirkung der Leute - die soziale Komponente, die dieser Garten ja haben soll, das Partizipative und Nachbarschaftliche, schon angelaufen war.

                                                                    # Bevor überhaupt das erste Beet vorhanden war?
                                                                    Bevor überhaupt das erste zu sehen war. Tatsächlich hat sich allein durch das Kommunizieren der Idee ein Unterstützerkreis gebildet, der ganz heterogen ist. Zum Teil besteht er aus türkischen Familien, einer alten russischen Gärtnerin, Menschen, die Bäume mit Alufolie verkleiden, ich weiß nicht aus welchem Grund, bis hin zu jungen Leuten, die hier einfach nur gerne abhängen. Das Feedback hat uns selber überrascht. Wir haben einfach angefangen und haben dann Stück für Stück und mit vielen Überraschungen gelernt, was urbane Landwirtschaft in Berlin sein kann.

                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©

                                                                    # Was habt ihr sonst vor?
                                                                    Das Haus auf unserem Gelände wird kulturell bespielt, wir verhandeln zum Beispiel mit dem Maxim Gorki Theater, das den oberen Raum dieses Hauses als Spielfläche nutzen soll.

                                                                    Wir haben auch gerade ein Jugendprojekt im Auftrag des Bundesbauministeriums durchgeführt, Die Stadtsafari. Das hatte mit Gärtnern gar nichts zu tun, sondern wir haben versucht, Jugendlichen unsere Idee von der Aneignung der Stadt nahe zu bringen, und zu sagen: entwickelt mal eigene Ideen, wie ihr euer Umfeld gestalten könnt.

                                                                    # War des eine der Vorraussetzungen, dass die Fläche öffentlich bespielt werden muss, auf irgendeine Art und Weise?

                                                                    Wir haben die Fläche bekommen, weil wir Miete bezahlen. Es gibt keine Voraussetzungen, die daran gebunden sind, außer, dass wir 50 Prozent aller Extraeinnahmen, also Untervermietungseinnahmen, an den Liegenschaftsfonds abführen müssen. Natürlich sieht auch der Liegenschaftsfonds, und das ist nicht nur positiv zu bewerten, dass wir an einer Aufwertung des Viertels teilnehmen. Wir werden auch ein Stück weit den Boden bereiten für Dinge, die uns persönlich nicht unbedingt so nahe sind. Andererseits tut man das immer, sobald man anfängt aktiv zu sein. Die Alternative wäre, gar nichts zu tun.

                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©

                                                                    Robert Shaw und Marco Clausen veröffentlichen gerade Ihr erstes Buch zum Thema Urban Gardening.

                                                                    Anders Gärtnern in der Stadt erscheint am 2. April 2012.

                                                                    Prinzessinnengarten | Prinzenstr. 35 | 10969 Berlin | www.prinzessinnengarten.net
                                                                    Bild: Marco Clausen / Prinzessinnengarten ©