avant garde
1
Potsdamer Straße
[ Tiergarten ]
Berlin - Februar 2012
business life
2
Moritzplatz
[ Kreuzberg ]
Berlin - März 2012
tradition
3
Auf der Uhlenhorst
[ Uhlenhorst ]
Hamburg - März 2012
zeitgeist
4
Langstrasse
[ Hard ]
Zürich - April 2012
Tradition
5
Clarastrasse
[ Kleinbasel ]
Basel - Mai 2012
avant garde
6
Holz- und Fabrikhafen
[ Walle ]
Bremen - August 2012
business life
7
Financial District
 
Shanghai - November 2012
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                                                                    STREIFZUG: POTSDAMER STRASSE

                                                                    Text: Miriam Rauh Foto: Manfred Brückels

                                                                    Moderne, revisited

                                                                    Spaziergang durch die wiederentdeckte Mitte Berlins

                                                                    Ein glanzvolles, über Jahre fast vergessenes Quartier, liegt auf der Achse zwischen Alexanderplatz und City West, südlich des Potsdamer Platzes. Den prachtvollen, herrschaftlichen Villen und Geschäftshäusern, parkähnlich angelegten Plätzen und Hinterhöfen sowie den vielen Fabrikationsstätten ist bis heute anzusehen, dass in dieser Gegend über viele Jahre Kultur und Kapital zu Hause waren.

                                                                    Noch zu Mauerzeiten waren Berlins spannendste Galerien und ein hoch spezialisierter Einzelhandel hier zu

                                                                    finden und es ist nicht von ungefähr, dass David Bowie seinen Wohnsitz in den 80er Jahren nur ein paar hundert Meter entfernt von der Potsdamer Strasse wählte.

                                                                    Der Mauerfall bedeutete das Ende einer Ära und für viele auch das Ende dieses ungewöhnlichen Stadtteils. Die Galerien wanderten ab nach Ostberlin, die Strecke verkam zum Transit zwischen den Polen Alt und Neu. Es blieben Gewerbe aus der Halbwelt, ein paar Import-Export Läden und Drogenhandel kamen hinzu. Als durch die unmittelbare Nähe zum neu gebauten Potsdamer Platz die Mieten

                                                                    Foto: Peter Kuley

                                                                    stiegen, zogen viele langjährige Anwohner fort und der Einzelhandel schloss seine Türen.

                                                                    Künstler, Galeristen, Concept Stores
                                                                    Dieser Tage erwacht der Bezirk zu neuem Leben: Zwischen Kurfürsten- und Pohlstrasse, Lützwostrasse und Genthiner Strasse, Potsdamer Strasse und Schöneberger Ufer sind viele der geschichtsträchtigen Räume von reger Geschäftigkeit erfüllt.

                                                                    Neben jungen Künstlern zieht es etablierte Galeristen aus anderen Bezirken in den Kiez. Zum Beispiel Geschäftsmänner wie Andreas Murkudis mit seinem Concept Store in der Potsdamer Strasse 81e und einen der derzeit gefragtesten Modedesigner Berlins, den Vorreiter der ‘New Couture’, Dawid

                                                                    Tomaszewski, der seit kurzem in der Potsdamer Strasse 97 sein Studio hat.

                                                                    Der Geist der goldenen 20er Jahre
                                                                    Zu den auffälligsten Gebäuden des Quartiers gehört das legendäre Wintergarten Varieté, das einst in die Berliner Friedrichstrasse und später in die Potsdamer Strasse verlegt wurde. Kurz nach der Wende fanden sich neue, prominente Betreiber: André Heller, Peter Schwenkow und Roncalli-Chef Bernhard Paul mieteten das ehemalige ‘Quartier Latin’ und liessen es nach ihren Vorstellungen aufwendig umgestalten.

                                                                    Wie es der schillernde Hintergrund der neuen Herren im Vorfeld ahnen ließ, war die Eröffnung der umgestalteten Räume im September 1992 glamourös: Das Zaubererpärchen Siegfried &

                                                                    Foto: Michael Hölzl

                                                                    Roy aus Las Vegas beehrte die begeisterten Berliner zur Premierengala mit seiner Anwesenheit. Über eine Million Besucher zählte der neue Wintergarten im ersten Jahr nach der Eröffnung; in weiteren Städten Deutschlands fanden sich zahlreiche Nachahmer. Nach vorübergehenden Turbulenzen, durch den Weggang Hellers und Pauls und darauffolgender Schließzeit, ist das Wintergarten Varieté heute wieder geöffnet und hat mit der Arnold Kuthe Entertainment GmbH einen neuen Betreiber gefunden.

                                                                    Kulturell auf Weltniveau
                                                                    Nur wenige Minuten Fußweg entfernt, befinden sich zwei Einrichtungen der Berliner Hochkultur, die Philharmonie am Kulturforum sowie eine Ikone der klassischen Moderne,

                                                                    die Neue Nationalgalerie in den weit über die Grenzen Deutschland hinaus bekannten Räumen des Architekten Mies van der Rohe, die in wechselnden Ausstellungen moderne Kunst auf Weltniveau zeigt.

                                                                    Doch auch viele neu hinzugezogene Galerien sind Magnete für ein weitgereistes, kunstinteressiertes Publikum. Eine der großen, avantgardistischen Galerien Berlins ist beispielsweise die Galerie Klosterfelde, welche neben dem täglichen Galeriebetrieb Mitorganisator von Gallery Weekend und art berlin contemporary ist. Auch die eher kleine Produzentengalerie Walden, sowie die Galerie Esther Schipper, haben ihre Räumlichkeiten in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg, bzw. in der Linienstrasse in

                                                                    Foto: K.lee

                                                                    Berlin Mitte verlassen und sind in das deutlich urbanere Umfeld der alten City West gezogen.

                                                                    Lieblingsstätten der Bohéme
                                                                    Nach einer Vernissage zieht man sich vielleicht zurück auf einen Gimlet in die nur über ein Klingelzeichen zugängliche Victoria Bar, neben dem Wintergarten Varieté in der Potsdamer Strasse 10. Oder, wenn man es schräger mag, ins legendäre Kumpelnest 3000 in der Lützowstrasse 23, in dem sich zu später Stunde all die Paradiesgestalten wiederfinden, die es aus Clubs oder anderen Etablissements an vielversprechende Orte zieht – nur nicht nach Hause.

                                                                    Glanzvolle Caféhauskultur
                                                                    Wer es gediegen schätzt, wird im Stammhaus des Café Einstein in der Kurfürstenstrasse 58 so etwas wie ein

                                                                    zweites Zuhause finden. Von beflissenen Kellnern in schwarz-weißen Livrees, die den Gast zuvorkommend mit einem kleinen Braunen und einer druckfrischen Ausgabe der Zeit versorgen, findet man sich im Einstein inmitten von Marmortischchen und Thonet Stühlen, samtbezogenen Bänken, knarrenden Parkett, funkelnden Kristalllüstern und verspiegelten Wänden in einer vergangenen Epoche Wiener Kaffeehauskultur wieder.

                                                                    Zur warmen Jahreszeit sei auch der dazugehörige Garten empfohlen: Eine städtische Oase, in der man im Halbschatten und unter blühenden Apfelbäumen Gurkensandwiches auf einer silbernen Etagère gereicht bekommt. Dazu ein Glas Crémant und man fühlt sich wie ein verwegener Literat oder die ehemalige Besitzerin

                                                                    Bild: Bernd Brundert

                                                                    der Villa, Stummfilmstar Henny Porten.

                                                                    Bodenständig und exotisch
                                                                    Etwas handfester geht es in der Lützowstrasse 22, in der Maultaschen Manufaktur, mit schwäbischer Hausmannskost, sowie auch in der Josef-Roth-Diele in der Potsdamer Strasse 75 zu, wo man zur Mittagszeit neben Beschäftigten des nahe gelegenen Research-Labs eines bekannten Telekommunikations-unternehmens ebenso Galeristen und Künstler treffen kann.

                                                                    Auch in der Bülowstrasse 66 im Munch’s Hus, Berlins erstem und einzigem norwegischen Restaurant, wird deftige Küche serviert und mit Edd’s Thailändische Spezialitäten findet sich eine weitere kulinarische Institution in unmittelbarer Nähe:

                                                                    Edd’s ist nicht nur das erste, sondern gilt bis heute auch als das beste thailändische Restaurant der Stadt. Wer gerne selbst kocht, wird in der Ölweide in der Pohlstrasse 61 auf seine Kosten kommen. Das Geschäft mit angeschlossenem Bistro-Café bietet eine Auswahl regionaler und biologischer Feinkostartikel, inklusive Wein und natürlich dem namensgebenden Öl.

                                                                    Von Barock bis Postmoderne
                                                                    Auch architektonisch hat das Quartier einiges zu bieten. Weiter südlich entlang der Potsdamer Strasse findet sich mit dem Pallasseum ein Teil der viel diskutierten Berliner Designgeschichte. Der über einem Hochbunker aus dem zweiten Weltkrieg gebaute Wohnblock des Architekten Jürgen Sawade galt in den 70er Jahren als Musterbeispiel für

                                                                    Foto: Kerstin Ehmer, Katja Hiendlmayer

                                                                    modernes Wohnen. Gleich nebenan befindet sich mit den Königskolonnaden ein Denkmal barocker Baukunst, das gemeinsam mit dem angrenzenden Kleistpark Teil einer Parkanlage ist, die einst als kurfürstlicher Hofgarten angelegt wurde.

                                                                    In nördlicher Richtung wiederum befindet sich im Begaswinkel in der Genthiner Strasse 30 ein weiteres Berliner Schmuckstück. Im Jahr 1871 von Ernst Klingenberg erbaut, besteht die Wohnhausgruppe bis heute aus sechs (ursprünglich zehn) Stadtvillen und ist hufeisenförmig um einen Hof arrangiert. In Künstlerkreisen der 20er Jahre waren die Hofgruppe und insbesondere der Salon von Luise Begas-Parmentier als Treffpunkt für Adlige, Maler, Sänger, Architekten und Verleger legendär. Noch heute

                                                                    beherbergt die versteckt hinter einer Toreinfahrt liegende Häusergruppe ein Gästehaus im klassizistischen Stil. Aus dem Jahr 1911 stammt das sogenannte Maggihaus, eine Fabrik mit drei Gewerbehöfen, Seitenfügel und Quergebäude, das der Schweizer Unternehmer Julius Maggi in der Lützowstrasse 102-104 bauen ließ. Bis heute erhalten ist die wunderbare Fassade mit vielen skulpturalen Details. Der unter Denkmalschutz stehende Komplex beherbergt heute zahlreiche Handwerks- und Medienunternehmen.

                                                                    Allerlei Spirituelles
                                                                    Mit der Gründerin der Devotionalien-handlung Ave Maria in der Potsdamer Strasse 75 befindet sich auch heute wieder eine aus dem alemannischen Sprachraum stammende Geschäftsfrau im

                                                                    Bild: Manfred Brückels

                                                                    Unternehmer- und Künstlerviertel. Neben Madonnenstatuen, Heiligenbildern, Kerzen, Kruzifixen und Rosenkränzen findet man vor Ort auch eine reiche Auswahl an verschiedenen Weihrauchsorten, von der sich schon ein in der Nähe amtiernder Berliner Geistlicher beeindruckt zeigte. Ganz urberlinerisch wiederum ist das Leydicke in der Mansteinstrasse 4, eine Destillerie, die auf eine über 100 Jahre alte Tradition zurückblicken kann. Verschiedene Veranstaltungen, Verkostungen und auch Speisen kann man dort in charmantem Original-Interieur aus dem 19. Jahrhundert genießen.

                                                                    Kleine Fluchten in der Stadt
                                                                    Nach Erholung Suchende werden im etwas versteckten, zwischen Kurfürsten-, Dennewitz- und Bülowstrasse gelegenen, Nelly-

                                                                    Sachs-Park fündig. In dem gartenarchitektonischen Schmuckstück befindet sich ein kleiner See mit runder Plattform, die sich über eine schmale Brücke erreichen lässt. Auch ein Rad- und Wanderweg, der Berlin mit Leipzig verbindet, führt durch den nach der einst in der Nachbarschaft lebenden, jüdischen Dichterin benannten Park.

                                                                    Fußläufig zu erreichen ist auch der Park am Gleisdreieck, wo aus einer Brache eine der größten innerstädtischen Grünanlagen Berlins entsteht und zeitweise sogar Golfer auf einer Driving Range den Schläger schwingen konnten. Exotischer, aber nicht weniger erholsam, sei auch das Sultan Hamam in der Bülowstrasse 57 zu erwähnen. Im dritten Stock eines Gewerbehofes kann man sich für einen Nachmittag in eine andere Welt entführen lassen: Raschelnde

                                                                    Bild: Peter Kuley

                                                                    Vorhänge, sanfte Musik, duftender Tee und alles einhüllende Wärme umgeben den Entspannung suchenden Gast und lassen ihn den Alltag schnell vergessen.

                                                                    Berauscht von vielen, inspirierenden Einflüssen mag man sich vielleicht noch auf den Winterfeldmarkt begeben, Berlins schönsten Wochenmarkt, auf dem sich hochwertige Waren aus der Region

                                                                    ebenso finden lassen wie exotische Gewürze und exquisite Köstlichkeiten aus dem benachbarten Ausland. Glücklich und mit Tüten voller Artischocken, Safran, Ziegenkäse, frischen Gnocchi, Lammfilet und zarten Teltower Rübchen macht man sich auf den Weg nach Hause. Wie wunderbar, wenn auch dies ganz in der Nähe ist.

                                                                    Bild: Phaeton1